Jun

7

2011

Glas oder Kunststoff für den Wintergarten?

Abgelegt in schöner Wohnen

Was gibt es schöneres, als im gut geschützten Wintergarten den Panoramablick auf den eigenen Garten, den Teich, die Blumenvielfalt oder den Sonnenuntergang zu genießen? Für einen guten Durchblick und die gewünschte Wärmeisolation stehen dem Hausherrn die Materialien Glas und Kunststoff zur Verfügung. Die Verglasung ist neben der Konstruktion und der Auswahl des Bodenbelages ausschlaggebend für die weitere Nutzung des Wintergartens verantwortlich.

Verglasung des Wintergartens mit Glas
Will der Bauherr seinen Wintergarten voll mit Glas ausstatten, muss er in erster Linie den Sicherheitsaspekt berücksichtigen. Mindestens für das Dach ist die Verwendung von Sicherheitsglas zwingend vorgeschrieben. Die Verwendung von Sicherheitsglas bei den seitlichen Bauelementen wird empfohlen und ist bei Kindern im Haus unserer Meinung nach, ebenfalls zwingend einzusetzen. So können die Eltern dem nächsten Fußballspiel oder dem mit einem Stein beschwerten Federball, gelassener entgegensehen.

Das sogenannte Verbundsicherheitsglas enthält zwei oder mehrere Glasscheiben, die mit einer speziellen, reißfesten Folie zu einem Verbund verschweißt werden. Ein solches Verbundglas kann nicht in einzelne Scherben auseinanderbrechen und daher keine Schnitt-Verletzungen verursachen. Als besonderes Extra kann die Folie transparent oder farbig sein. Ebenfalls möglich ist eine UV-Schutzfolie, die wiederum in verschiedenen Farben aufgebracht werden kann.

Günstiger in der Anschaffung ist ein Sicherheitsglas mit eingelassenem Metallgewebe. Dieses Drahtglas ist allerdings nicht vollkommen transparent, was der gewünschten Ästhetik oft widerspricht.

Energiegewinn und Energieverlust
Wie schnell sich der Wintergarten abkühlt oder aufheizt, ist abhängig vom g-Wert und (u)k-Wert der Verglasung. Am g-Wert Ihres ausgesuchten Glases lesen Sie den Energiegewinn ab. Das bedeutet, wie viel Prozent, der auf das Glas treffenden Sonnenenergie, dringt ins Innere Ihres Wintergartens ein. Der (u)k-Wert dagegen gibt den Energieverlust Ihres Wintergartens an. Er sagt aus, wie viel Wärme das Glas nach außen abgibt.

Aus rein mathematischer Sicht muss der g-Wert demzufolge möglichst groß und der (u)k-Wert möglichst gering sein. Dann heizt sich der Wintergarten auch bei wenig Sonnenlicht schnell auf, gibt aber die Wärme nur zögernd wieder nach außen ab. Mit dieser Konstellation ist Ihr Wintergarten vom Herbst bis zum Frühling perfekt gerüstet.

Im Sommer dagegen, wenn hohe Temperaturen und ausreichend Sonnenschein vorhanden sind, ist diese Konstellation für das Aufheizen des Wintergartens verantwortlich. Nun müssen Sie für eine ausreichende Beschattung und Belüftung sorgen – was aber in der Regel einfacher und kostengünstiger zu bewerkstelligen ist, als das Heizen in den anderen Jahreszeiten.

Verglasung des Wintergartens mit Kunststoffglas
Als Alternative zum Verbundglas steht dem Erbauer auch Acrylglas zur Verfügung. Im Fachhandel wird das Acrylglas unter dem Namen Plexiglas vertrieben. Plexiglas ist eine Kunststoffverbindung, die leichter und lichtdurchlässiger ist, als echtes Glas.

Vorteil: das preislich günstigere Acrylglas lässt sich leicht verarbeiten, so dass auch Hobbyhandwerker sehr schnell mit diesem Werkstoff zurechtkommen und hochwertige Ergebnisse erzielen.

Der Nachteil der Acrylverglasung liegt im Material selber. So lassen die Acrylscheiben das Sonnenlicht ungefiltert in den Wintergarten scheinen. Ein UV-Schutz ist nicht vorhanden. Im Sommer kann ein längerer Aufenthalt im Wintergarten daher schnell zu einem Sonnenbrand für Mensch und Pflanzen führen. Entscheidet sich der Häuslebauer für eine Verglasung mit Acrylglas, muss er unbedingt auf eine ausgefeilte Beschattung des Wintergartens achten. Mit der Beschattung kann auch einer Überhitzung des Wintergartens entgegengewirkt werden. Die wird bspw. durch eine kombinierte Installation von sich öffnenden Fenstern und automatischen Rollläden erreicht.

Innovation – selbstreinigendes Activ-Glas
Die Entwicklung in der Glasherstellung schreitet rasch voran. Gerade für die Verwendung auf Wintergärten oder Carports entwickelten die Hersteller ein spezielles Activ-Glas, dass sich selbst reinigt. Mit Hilfe der Photokatalyse zersetzen sich organische Stoffe, wie Vogelkot, Reste von Blättern, Blütenstaub oder herunter tropfendem Harz durch einfallendes Tageslicht. Die Verschmutzungen können so keine feste Verbindung mit dem Glas eingehen – ein Einbrennen wird verhindert. Entfernt wird der zersetzte Schmutz mit dem nächsten Regenguss. Durch den hydrophilen Effekt verteilt das Wasser die Verschmutzung auf der gesamten Fläche und spült ihn dann nahezu fleckenfrei ab. Nicht nur nach der Rapsblüte wissen Hausfrauen diesen Effekt zu würdigen.

Fazit
Der Hausherr hat bei der Verglasung seines Wintergartens die Qual der Wahl. Für Selberbauer bietet sich Acrylglas auf Grund seiner leichten Verarbeitung an. Soll der Wintergarten jedoch vor UV-Strahlen weitestgehend geschützt sein, muss die Wahl auf ein Verbundglas mit der entsprechenden Beschichtung fallen.
Das I-Tüpfelchen stellt natürlich das sich selbst reinigende Glas dar. Die Anschaffung mag ein wenig teurer als geplant ausfallen, die Arbeitsersparnis in den Folgejahren macht diesen rein preislichen Nachteil aber schnell wieder wett.

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